Besuch bei Pro Cosara in Paraguay
Von Encarnación aus geht es zunächst noch ein paar Kilometer auf Asphalt, dann biegen wir auf eine rote Erdstraße Richtung "Reserva San Rafael" ein. Wir haben Glück und es ist trocken. Bei Regen wäre es wohl eine ziemlich schmierige Angelegenheit geworden...
Die Landschaft ist leicht hügelig und so weit man sehen kann erstrecken sich Sojafelder. Nur vereinzelt stehen noch Bäume und man kann kaum erahnen, wie üppig der Wald hier einmal gewesen sein muss. Immer wieder sind Rauchsäulen am Horizont zu erkennen - brennender Wald, der dem Sojaanbau weichen muss.
Wir befinden uns hier im Bereich des "Inneratlantischen Regenwaldes". Dieser subtropische Urwald erstreckte sich ursprünglich über eine Fläche von fast fast 2 Millionen km2 vom Nordosten Argentiniens über den Osten Paraguays und an der Ostküste Brasiliens entlang nach Norden bis etwa auf die Höhe der Stadt Recife. Heute sind nur noch etwa 7 % dieses Waldes übrig geblieben. Der größte Teil fiel dem Sojaanbau zum Opfer. Soja wird Hauptsächlich in Europa als billiges Futtermittel verwendet - letztenendes also um in Europa billig Fleisch und Milchprodukte erzeugen zu können! Hinzu kommt, dass inzwischen fast ausschließlich genveränderte Soja-Sorten angebaut werden.
Nach einer Weile Fahrt erreichen wir das Schutzgebiet und tauchen in den Urwald ein. Eine Wohltat nach der heißen und staubigen Fahrt durch die fast Baum- und Schattenlose Soja-Steppe. Der Wald ist gewaltig, große von zahlreichen anderen Pflanzen bewachsene Urwaldbäume strecken sich in die Höhe und man hört die Rufe von Vögeln und anderen Tieren. Mehr als 400 Pflanzenarten, über 300 Vogel- und knapp 80 Säugetierarten sind hier zuhause - viele von ihnen kommen nur im Atlantischen Regenwald vor.
Pro Cosara (von "Pro Cordillera San Rafael") ist das Projekt, dass sich zum Ziel gesetzt hat, eines der letzten größeren Reste dieses Urwaldes zu erhalten. Gegründet wurde Pro Cosara von einem schweizer Ehepaar, das vor ca. 25 Jahren hier her kam. Die Strecke, die wir heute durch die Agrarsteppe gefahren sind, führte damals noch weitgehend durch den Dschungel. Innerhalb von 20 Jahren ist dieser Dschungel fast vollständig verschwunden. Pro Cosara hat es geschafft, immerhin 73.000 ha Wald unter Schutz zu stellen. Doch auch dieser Rest ist noch bedroht. Pro Cosara unterhält eine Parkwächtertruppe und ein Ultraleichtflugzeug zur Überwachung und trotzdem werden noch illegal Bäume gefällt und es wird gewildert. Und immer wieder muss um das Fortbestehen des Projektes gebangt werden: Pro Cosara hängt von privaten Spenden ab, ab und zu kommt eine rettende Unterstützung vom WWF.
Mehr über das Projekt, das Urwaldschutzgebiet San Rafael und wie Sie es unterstützen können auf der Webseite von Pro Cosara: procosara.org