Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Mit dem Postbus durch Amerika (3)

Perú - país con futiro Perú - país con futuro (Land mit Zukunft), so sieht man es oft auf Wänden geschrieben - ich hoffe, eine gute Zukunft!
Wie Ecuador ist auch Peru in die die drei "Welten" Costa, Sierra und Selva unterteilt. In der Costa, der pazifischen Tiefebene beginnt bereits im Norden die Atacama-Wüste, die sich dann nach Süden noch bis Chile hinein erstreckt. Die Atacama-Wüste ist eine der trockensten Gegenden der Erde, hier wächst wirklich überhaupt nichts. Ausnahmen bilden ein paar Flusstäler, die Wasser aus dem Gebirge führen und in denen durch Bewässerung Reis, Zuckerrohr, Baumwolle sowie Obst und Gemüse angebaut wird.

In Piura, der ersten größeren Stadt nach der Grenze, wird erst mal unser Bus aufgebrochen. Alles ist durchwühlt, aber erstaunt stellen wir fest, dass nichts fehlt - für alte Kleider und Kochtöpfe hatten die "Einbrecher" wohl auch keine Verwendung. Glück gehabt! Nur ein Türschloss klemmt nun, da haben sie wohl mit einem Schraubenzier und etwas Gewalt dran rumgemacht. Man hatte uns ja gewarnt, dass es in Peru viele "Ladrónes" (Diebe) geben soll, aber sollte sich dieses Klischee so schnell bewahrheiten? Na ja, wir machen in Peru noch so gute Erfahrungen, da ist dieser kleine Zwischenfall schnell vergessen...

in der Sechura-Wüste auf der Paracas-Halbinsel Dünen am Pazifik Panamericana durch die Küstenwüste

Inzwischen ist es bald Weihnachten, was man bei Temperaturen zwischen 35 und 40 °C nicht so recht glauben kann. In Trujillo lernen wir Alejandro kennen, der uns gleich zu Weihnachten zu seinen Eltern im Hochland von Peru einlädt. Also geht es hinauf in die Anden, wo es mit zunehmender Höhe auch wieder grüner wird. In den Bergen "bleiben eben die Wolken hängen" und und bringen den lebensnotwendigen Niederschlag. Über holprige Straßen fahren wir zwei Tage zusammen mit Alejandro in das Dorf, in dem seine Eltern wohnen. Wir haben viel Spaß und verbessern nebenbei unser Spanisch noch etwas.

Perú - país con futuro Koloniale Kirche in Cuzco Landwirtschaft im Hochland Dorf im Hochland

Das peruanische Weihnachtsfest gleicht eher unserem Silvester: es wird bunt und laut und mit vielen Freunden gefeiert und um Mitternacht wünscht man sich "Feliz Navidad" (frohe Weihnachten). Es gibt Cuy - Meerschweinchenbraten. Etwas ungewohnt für uns, hier aber so normal, wie für uns anderes Fleisch. Schließlich kommt das Meerschweinchen ja auch von hier und wurde schon von den Inkas als Nutztier (und nicht als "Streicheltier") gehalten. Wir fahren wieder zusammen mit Alejandro zurück nach Trujillo, wo wir eine Weile bleiben und noch einige seiner Freunde kennen lernen. Eine schöne Zeit, in der wir ein wenig "wirkliches Peru" kennen lernen... Es geht weiter nach Lima, wo wir jedoch nur einen Tag bleiben. Außer dem alten Zentrum wirkt diese riesige Stadt auf uns nicht so schön. Wir fahren also weiter durch die Wüste nach Süden. Den Jahrtausendwechsel verbringen wir auf der Paracas-Halbinsel im Pazifik - völlig alleine, ohne Party und Feuerwerk - was uns eigentlich sehr recht ist.

Lamas im Hochland die Ruinen von Machu Picchu am Titicaca-See

Dann geht es wieder ins Hochland. Wir kommen in die alte Inka-Hauptstadt Cuzco, die leider von den spanischen Kolonialisten zerstört wurde. Auf den Grundmauern der Inka-Stadt haben sie dann ihre Gebäude errichtet. Die Stadt ist zwar wunderschön, doch das alte Cuzco der Inkas ist damit verschwunden. Mit dem Zug fahren wir zu den Ruinen von Machu Picchu (es gibt keine Straße dorthin), was wir uns wirklich hin und her überlegt haben, denn Machu Picchu ist die totale Massenattraktion (das ist normalerweise nicht so unser Ding). Andererseits wollen wir uns diese beeindruckende Stätte natürlich auch nicht entgehen lassen. Um die Ruinen in Ruhe noch vor dem großen Ansturm zu sehen, gehen wir bereits um sechs Uhr morgens hin, und sind dann tatsächlich noch relativ alleine. Die Lage dieser Stätte ist einmalig: von einer tiefen Schlucht umgeben und vor einem markanten Zuckerhut-artigen Felsen liegen die Gebäude der ehemaligen Inka-Stadt. Aus der Schlucht zieht immer wieder Nebel auf und umhüllt die Stätte mit einem mysteriösen Schleier... Unsere Fahrt geht weiter durch das wunderschöne Hochland zu dem auf 3800 Metern Höhe gelegenen Titicaca-See, der auch die Grenze zu Bolivien bildet.

am Titicaca-See Fährverkehr auf dem Titicaca-See Fahrt in die Yunga-Täler Urwald am Osthang der Anden

Bolivien ist ein schönes aber armes Land. Die meisten Bolivianer sind Indios, die oft noch ihre traditionelle Kleidung tragen und auch noch die alten Sprachen Quechua oder Aymara sprechen. Bolivien liegt im Westen in den Anden und im Osten in der Tiefebene, die in das Amazonasbecken und den Chaco übergeht. In den Anden liegt der Altiplano, eine Hochebene auf 3500 bis 4000 Metern Höhe, in der der größte Teil der Bevölkerung lebt. Auf Grund der Höhe ist der Altiplano jedoch recht karg, teilweise besteht die Vegetation nur noch aus Büschelgras. Lama- und Alpackazucht sind in solchen Gebieten der Hauptwirtschaftszweig. Im Altiplano kann es nachts recht frisch werden, sogar Frost kann es geben. In der Tiefebene im Osten des Landes ist es dagegen das ganze Jahr über heiß mit Temperaturen um 30°C.

Fluss im Tiefland Haus Blick über Sucre unterwegs in Bolivien

Wir kommen in die Metropole La Paz, der höchstgelegensten Millionenstadt der Welt. Sie liegt in beeindruckender Lage zwischen 3600 und über 4000 Metern Höhe. Im Hintergrund thront der Illimani, ein 6400 Meter hoher, schneebedeckter Berg. An den Rändern der Stadt ziehen sich Armensiedlungen den Hang hinauf. Da im Tal kein Platz mehr ist, müssen neue Zuwanderer in immer unwirtlichere Höhenlagen vordringen. Von La Paz aus fahren wir in die Yunga-Täler, steile Schluchten, die in das Tiefland übergehen. Es geht zunächst über den 4600 Meter hohen La-Cumbra-Pass, wo bereits etwas Schnee liegt, und anschließend an die 4000 Höhenmeter hinab. Die schmale Straße verläuft teilweise atemberaubend am Abgrund entlang, durch Wasserläufe und unter Wasserfällen hindurch. Sie ist so schmal, dass sie immer nur für eine Fahrtrichtung geöffnet wird. Mit dem raschen Verlust an Höhe ändert sich das Klima und die Vegetation schlagartig, bis man sich nach drei Stunden plötzlich im tropischen Regenwald befindet.

Esel Landschaft im Altiplano Kaktus in der Atacama-Wüste

Wir fahren weiter nach Santa Cruz im Tiefland und wieder ins Hochland durch die schönen Kolonialstädte Sucre und Potosí. Potosí liegt auf über 4000 Metern Höhe und wurde 1545 als Bergbaustadt wegen der hier reichen Silbervorkommen gegründet. Das Silber machte Potosí Ende des 18. Jahrhunderts zur reichsten Stadt Südamerikas. Diese Zeiten sind jedoch vorbei, lediglich die schönen Kolonialgebäude und Kirchen zeugen noch von dieser glanzvollen Zeit. Immer wieder ändern sich Klima und Landschaften doch das Vorankommen ist beschwerlich, da die Straßen (falls man überhaupt noch von Straßen sprechen kann) meist in schlechtem Zustand sind. Einmal müssen wir einen riesigen Umweg fahren, weil ein Fluss einfach zu tief ist, um hindurch zu fahren, einmal versperrt ein steckengebliebener LKW den Weg für zwei Tage usw. Doch der Weg ist das Ziel, und die Landschaften, durch die wir kommen, sind einfach beeindruckend. Wir fahren durch den Altiplano nach Westen und kommen schließlich über einen Pass zur chilenischen Grenze.

Flussoase in der Atacama-Wüste durch die Atacama-Wüste Kaktus Landschaft nördlich von Santiago

Chile erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von 4300 Kilometern und ist dabei nur 90-435 Kilometer breit. Die klimatischen und landschaftlichen Kontraste reichen dabei von Wüste im Norden über eine gemäßigte Zone in der Mitte des Landes bis zum rauen, subarktischen Klima Patagoniens im Süden. Der Pazifische Ozean im Westen und die Kordilleren der Anden im Osten bilden die natürlichen Grenzen des Landes. Im Grenzgebiet zu Argentinien, nur etwa 150 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Santiago entfernt liegt der höchste Berg Amerikas, der Aconcagua mit einer Höhe von 6962 Metern.

Landschaft in Süd-Chile Fischerdorf auf Chiloé Regenwald in Süd-Chile Vicunas in den Anden

Wir kommen vom Hochland Boliviens in die Fortsetzung der Atacama-Wüste, in der wir bereits in Peru waren. Außer in ein paar Fluss-Oasen wächst auch hier absolut nichts und trotzdem hat diese Wüste ihren Reiz. An die 1000 Kilometer fahren wir durch die Wüste nach Süden, kommen an aufgegebenen Nitrat-Bergwerken vorbei und überqueren den Südlichen Wendekreis bei Antofagasta (hier steht die Sonne am Mittag des 21. Dezember senkrecht). Ganz allmählich beginnt wieder Vegetation. Das erste sind Kakteen und Dornenbüsche, dann wird es insgesamt grüner und um Santiago herum, also ungefähr in der Mitte des Landes, ist schließlich das landwirtschaftliche Zentrum Chiles. Hier wird vor allem Obst, Gemüse und der berühmte chilenische Wein angebaut.

Schmale Brücke im Süden von Chile Pinguine Schiffswrack See in Patagonien

Wir fahren weiter nach Süden und kommen durch das wunderschöne chilenische Seengebiet. Allmählich wird es rauer und Landschaften mit Wäldern, Felsen, Gletschern und Fjorden erinnern ein wenig an Norwegen. Irgendwann geht in Chile keine Straße mehr weiter nach Süden, der Südzipfel von Chile ist nur noch von Argentinien aus erreichbar. Also geht unsere Fahrt zunächst weiter ins benachbarte Argentinien und nach ein paar hundert Kilometern wieder zurück nach Chile. Wilde und raue Landschaften erwarten uns hier in der Region, die auch "Extremo Sur" (äußerster Süden) genannt wird. Kaum noch Menschen leben hier. Am südlichen Festland-Ende von Südamerika ist noch die Stadt Punta Arenas, einst ein wichtiger Hafen, als es den Panamakanal noch nicht gab und viele Schiffe hier vorbei mussten. Doch diese Zeiten sind vorbei, übrig geblieben ist eine Fischerei-Stadt, deren prunkvolle Gebäude an bessere Zeiten erinnern. Wir fahren wieder nach Argentinien und weiter Richtung Feuerland.

Wasserfall in Patagonien auf dem Weg nach Feuerland Perito-Moreno-Gletscher Weinanbeu in Mendoza

Argentinien ist nach Brasilien das zweitgrößte Land Südamerikas. Durch seine große Ausdehnung gibt es sowohl tropische Klimate im Norden des Landes als auch eine gemäßigte Zone in der Landesmitte und Gebiete mit rauem, subarktischen Klima im Süden. Insgesamt ist das Land aber relativ trocken, die Anden bilden eine Barriere für Wind und Wolken vom Pazifik. Die fruchtbarste Region ist die Pampa um die Hauptstadt Buenos Aires herum sowie die Weinbauregion um die Stadt Mendoza. In Argentinien leben viele spanisch- und italienischstämmigen Europäer - ab und zu trifft man auch Deutsche, die manchmal noch ein paar Brocken deutsch sprechen. So wirkt das Land oft relativ europäisch und die Hauptstadt Buenos Aires mit ihren Gebäuden aus der Jahrhundertwende kann durchaus an London oder Paris erinnern.

am Aguas-Negras-Pass am Aguas-Negras-Pass Landschaft im Westen von Argentinien Steinformation im Valle de la Luna

Wir reisen im Süden von Argentinien, in Patagonien ein, fahren ein paar hundert Kilometer weiter nach Süden und gehen noch einmal nach Chile hinüber. Der Südzipfel von Chile ist nur von Argentinien aus erreichbar, innerhalb Chiles gibt es keine Straßenverbindung dorthin. Die Landschaften sind wild und rau hier unten und obwohl es hier gerade Hochsommer ist (wir haben bereits Februar - das ist auf der Südhalbkugel wie bei uns August) kann es nachts recht frisch werden. Wieder zurück in Argentinien sehen wir uns den Moreno-Gletscher an, an dem immer mal wieder unter lautem Getöse ein Eisbrocken abbricht (die Gletscher-Kante ist immerhin 50 Meter hoch!).

Tal in Nord-Argentinien Weg durch Felsen Straße in den argentinischen Yungas in der Pampa

Es geht weiter Richtung Süden, Richtung Feuerland, Hunderte von Kilometern über Schotter durch die Steppe Patagoniens. Irgendwann sind wir da, eine Fähre bringt uns über die Magellanstraße auf die Insel Feuerland und nach ein paar weiteren Stunden Fahrt haben wir den südlichsten Punkt unserer Reise, sozusagen das südliche Ende der Welt erreicht. Die Insel ist zwischen Chile und Argentinien aufgeteilt, hat sowohl flache Steppe als auch bewaldete Berge. Die im Süden von Feuerland liegende Stadt Ushuaia, ein ehemaliges Gefangenenlager, ist die südlichte Stadt der Welt (warum hier unten eine Stadt mit immerhin 40.000 Einwohnern ist, haben wir uns allerdings auch gefragt - Subventionen und Steuererleichterungen haben angeblich dem Wachstum der Stadt verholfen). Nach ein paar Tagen fahren wir wieder los, es geht zunächst an der Atlantikküste hinauf nach Norden, durch das karge patagonische Tafelland. Erst etwa tausend Kilometer weiter nördlich, in den Tälern des Rio Chubut und des Rio Negro beginnt allmählich wieder Kulturland. Nach weiteren tausend Kilometern erreichen wir Mendoza. Hier ist es wieder richtig warm, aber auch sehr trocken. Durch Bewässerung aus Flüssen, die in den Anden entspringen wird in dieser Region Wein, Obst und Gemüse angebaut. Nördlich von Mendoza wird die Landschaft wüstenartig. Wir kommen durch das Valle de la Luna (Mond-Tal) mit seinen beeindruckenden, durch Erosion entstandenen Steinformationen und den halbwüstenartigen Gegenden Saltas im Nordwesten.

Placa de Mayo Tangokneipe in Buenos Aires im Stadtteil La Boca Sonnenuntergang am Paraná

Es geht weiter nach Südosten, Richtung Cordoba, Rosario und Buenos Aires und es wird allmählich wieder grüner und fruchtbarer. Die Pampa, die Region um Buenos Aires herum ist schließlich das landwirtschaftliche Kerngebiet Argentiniens, hier lebt auch der größte Teil der 36 Millionen Einwohner. Irgendwann erreichen wir die Metropole Buenos Aires, der Hauptstadt und Geburtsstadt des Tangos. Um die Jahrhundertwende ist der Tanz hier entstanden und auch heute noch gibt es zahlreiche Lokale in denen er gespielt und getanzt wird. Nach ein paar Tagen fahren wir weiter Richtung Corrientes und Missiones, bewaldeten, subtropischen Regionen im Nordosten Argentiniens. An der Grenze zu Brasilien, mitten im Regenwald kommen wir zu den beeindruckenden Iguaçu-Fällen, den wohl größten und schönsten Wasserfällen der Welt. Sie sind so groß, dass man sie gar nicht als gesamtes überblicken kann. In Hunderten von Kaskaden rauscht das Wasser 80 Meter in die Tiefe und die Tropenlandschaft darum ist einfach einmalig.

Iguacu-Fälle Iguacu-Fälle Iguacu-Fälle Termitenhuegel

Brasilien ist das größte Land Südamerikas, es bedeckt rund die Hälfte der Fläche des Teilkontinents. Brasilien beinhaltet ein riesiges Spektrum an Landschaften, Klimaten, Menschen und Kulturen. Es gibt sowohl tropischen Regenwald und Savannen im Norden als auch gemäßigte Gebiete im Süden. Leider kommen wir nur noch durch den Süden des Landes bis nach São Paulo. Dort bleiben wir eine Weile, besuchen Verwandte von mir, die hier in zweiter Generation leben und schauen uns die allerdings nicht so sehr schöne Stadt an.
Schließlich geht es weiter an der Atlantikküste entlang nach Süden Richtung Uruguay, durch die Hauptstadt Montevideo und mit der Fähre über den Rio de la Plata wieder nach Buenos Aires. Hier ist auch das Ende unserer Reise. Zehn Monate waren wir nun unterwegs von New York bis hier, quer durch Nord- Mittel- und Südamerika. Es war eine beindruckende Reise, auf der wir vile Eindrücke gesammelt und Erfahrungen gemacht haben.
Wir bleiben noch etwa zwei Wochen hier, kümmern uns um den Rücktransport des Busses, schauen uns die Stadt an und träumen noch ein wenig von Amerika...

Araukarien Steinformation Praca da Sé in São Paulo Endstation im Hafen von Buenos Aires

Impressum / Datenschutz